NEWSletter

WIRTSCHAFTSPRÜFUNG | RECHTSBERATUNG | STEUERBERATUNG

Ausgabe Januar 2018

WirtschaftsprüferRechtsanwälteSteuerberater

Editorial

Die Bundestagswahl ist bereits mehr als ein Vierteljahr vorbei und Deutschland hat noch immer keine neue Regierung. Nach den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD wird nun wohl ein erneuter Anlauf zu einer großen Koalition unter- nommen. Aber auch die Gespräche für diese potenzielle Re- gierungskonstellation beginnen mit einer gehörigen Portion Skepsis. Das gilt vor allem auch für die Steuerpolitik. Nach al- lem, was man bisher von der SPD hört, muss man befürch- ten, dass bei einer großen Koalition als Kompromiss „nur kei- ne Steuererhöhung“ herauskommt. Auch zehn Jahre nach der letzten Unternehmensteuerreform könnten dann wieder ein- mal die dringend notwendigen Nachbesserungen ausbleiben.

Als Beispiel sei der ununterbrochen seit 1995 bestehende So- lidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Einkommensteuer und Körperschaftsteuer zu nennen, der zur Finanzierung der Kos- ten der deutschen Einheit eingeführt wurde und dessen Abbau bei den Verhandlungen der gescheiterten Jamaika-Runde be- reits im Grundsatz beschlossen war. In der großen Koalition könnte allenfalls nur noch ein Abbau „light“ umsetzbar sein. Wohl vor allem die SPD stört sich an den Verteilungswirkun- gen des Abbaus sowie der überwiegenden Entlastung der mittleren und oberen Einkommen. Nach Ansicht der SPD ist diese Reduzierung mit der eigenen Vorstellung von Gerechtig- keit nicht vereinbar. Wir dürfen gespannt sein, wie die weite- ren Verhandlungen voranschreiten, und ob wir tatsächlich in den nächsten Wochen die neue bzw. alte Regierungskonstella- tion in Deutschland haben werden.

Wie im letzten NEWSletter angekündigt, möchten wir Ihnen jetzt in Teil 2 unseres Fachartikels zur Erbschaftsteuerreform anhand von Beispielsrechnungen die materiellen Folgen der neuen Gesetzgebung aufzeigen. Bleibt zu hoffen, dass nun- mehr die Anpassung des Erbschaft- und Schenkungsteuerge- setzes an verfassungsrechtliche Grundsätze Bestand hat, um die für steuerschonende Betriebsübergaben so wichtige Rechtssicherheit zu gewährleisten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wie immer viel Spaß beim Lesen unseres neuen NEWSletter.

Ihre Kanzlei

Dr. Langenmayr und Partner mbB

Wirtschaftsprüfer Rechtsanwälte Steuerberater

Inhalt

Die Erbschaftsteuerre- form – Rechnerische Auswirkungen und Fazit

– Teil 2

Johannes Bitzer, RA/StB

Seite 2

HGB News

Seite 7

Steuer News

Seite 9

IT News

Seite 10

Impressum

Seite 11

Johannes Bitzer

Thilo Rath

An independent member of UHY International

NEWSl etter

Ausgabe Januar 2018 Seite 2

Die Erbschaftsteuerreform – Rechnerische Auswirkungen und Fazit – Teil 2

Johannes Bitzer, Rechtsanwalt/Steuerberater

Durch die neue Gesetzgebung im Erbschaft- steuerrecht kommt der Struktur des Betriebs- vermögens eine deutlich größere Bedeutung zu als nach altem Recht. War es bisher erb- schaftsteuerlich unschädlich, wenn das Be- triebsvermögen zu 50 % aus Verwaltungs- vermögen bestand, so gilt nach neuem Recht, dass Verwaltungsvermögen grundsätzlich gar nicht mehr begünstigt ist. Außerdem wurde der Katalog der Vermögensgegenstände, die ihrer Art nach zum Verwaltungsvermögen ge- zählt werden, erweitert.

Bisher galten folgende Vermögensgegenstän- de als Verwaltungsvermögen:

Dritten zur Nutzung überlassene Grund- stücke, Grundstücksteile, grundstücksglei- che Rechte und Bauten

Anteile an Kapitalgesellschaften unter 25%

Wertpapiere und vergleichbare Forderun- gen

Zahlungsmittel, Geschäftsguthaben, Geld- forderungen, andere Forderungen

(= Finanzmittel) nach Abzug von Schulden

Kunstgegenstände, Kunstsammlungen, wissenschaftliche Sammlungen, Bibliothe- ken, Archive, Münzen, Edelmetalle, Edel- steine.

Nun zählen zum Verwaltungsvermögen auch

Briefmarkensammlungen,

Oldtimer,

Yachten,

Segelflugzeuge sowie

sonstige typischerweise der privaten Le- bensführung dienende Gegenstände,

wenn der Handel mit diesen Gegenständen, deren Herstellung oder Verarbeitung oder die entgeltliche Nutzungsüberlassung an Dritte nicht der Hauptzweck des übertragenden Be- triebes ist.

Das Verwaltungsvermögen geht mit dem ge- meinen Wert in die Bemessungsgrundlage der Erbschaftsteuer ein. Uneingeschränkt gilt dies für das sogenannte „junge Verwaltungsver- mögen“ (Ausnahme: junges Verwaltungsver- mögen, das der Absicherung von Altersvor- sorgeverpflichtungen dient) sowie die „jungen Finanzmittel.“

Als „jung“ wird das Vermögen beurteilt, das dem Betrieb zum Zeitpunkt der Besteue- rung weniger als zwei Jahre zuzurechnen war. Wie das Vermögen erworben wurde, ob durch Herstellung, Anschaffung aus betrieb- lichen Mitteln oder Einlage, ist dabei völlig unerheblich.

Die Berechnung des steuerpflichtigen Ver- waltungsvermögens wird im koordinierten Ländererlass ausführlich dargestellt. Sie vollzieht sich in mehreren Schritten, die wir im Folgenden anhand eines einfachen Bei- spiels erläutern möchten. Auf Besonderhei- ten, wie z. B. die Beurteilung von Vermö- gensgegenständen als Verwaltungsvermö- gen im Einzelnen, die Begünstigung von Vermögen, das der Erfüllung von Schulden aus Altersversorgungsverpflichtungen dient, oder die Berechnungsregeln für Konzernun- ternehmen, soll hierbei aus Vereinfa- chungsgründen verzichtet werden.

1. Ausgangsgrößen

Ausgangsgrößen sind die vom Finanzamt festgestellten Werte für das Verwaltungs- vermögen, das junge Verwaltungsvermö- gen, die Finanzmittel, die jungen Finanzmit- tel, die Schulden und das Betriebsvermögen (oder des Anteils am Betriebsvermögen). Folgende Beispielswerte sollen als Grundla- ge der weiteren Berechnungen dienen:

Beispiel

Festgestellter Wert des Verwaltungsvermögens (ein- schließlich jungen Verwaltungsvermögens)

2.000.000 €

Festgestellter Wert des jungen Verwaltungsvermö-

gens

200.000 €

Festgestellter Wert der Finanzmittel (einschließlich

junger Finanzmittel)

800.000 €

Festgestellter Wert der jungen Finanzmittel

 

150.000 €

Festgestellter Wert der Schulden

800.000 €

Festgestellter Wert des Betriebsvermögens

(zum 1. Januar 2016)

6.000.000 €

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Ausgabe Januar 2018 Seite 3

Die Erbschaftsteuerreform – Rechnerische Auswirkungen und Fazit – Teil 2

2. Verwaltungsvermögensquote

In einem ersten Schritt werden zwei unter- schiedliche Verwaltungsvermögensquoten er- rechnet:

Die 90%-Verwaltungsvermögensquote (90%- Test) und die 20 %-Verwaltungsvermögens- quote (20 %-Test). Der 90 %-Test dient der Beurteilung, ob überhaupt irgendeine Ver- schonungsregelung zum Tragen kommt. Nur wenn der 90 %-Test bestanden ist, kommt der 20 %-Test zur Anwendung, nach dem be- urteilt wird, ob statt der Regelverschonung die Optionsverschonung beantragt werden kann. Problematisch ist, dass beide Quoten auf unterschiedliche Art berechnet werden und es so theoretisch dazu kommen kann, dass die 20 %-Quote erreicht wird, die 90 %- Quote aber nicht.

90 %-Test

Für die Berechnung der 90 %-Quote werden das festgestellte Verwaltungsvermögen und die festgestellten Finanzmittel ohne Kürzun- gen dem festgestellten Betriebsvermögen ge- genübergestellt:

Beispiel

Festgestellter Wert des Verwaltungsvermögens 2.000.000 €

+ Festgestellter Wert der Finanzmittel 800.000 €

=Verwaltungsvermögen für den 90 %-Test 2.800.000 €

Quote:

Verwaltungsvermögen für den 90 %-Test 2.800.000 €

Festgestellter Wert des Betriebsvermögens 6.000.000 €

= Verwaltungsvermögensquote

46,67 %

20%-Test

Bei der Berechnung der 20 %-Quote wer- den die Finanzmittel um die Schulden ge- kürzt. Verbleibt ein positiver Betrag, wird dieser wiederum um 15 % des Wertes des Betriebsvermögens vermindert. Das übrige Verwaltungsvermögen wird addiert und die Summe zum Wert des Betriebsvermögens ins Verhältnis gesetzt.

Beispiel:

Festgestellter Wert der Finanzmittel

800.000

-

Festgestellter Wert der Schulden

-800.000

=

Finanzmittel nach Schulden

0

-Abschlag 15 % Betriebsvermögen (entfällt)

=

Verwaltungsvermögen aus Finanzmitteln 0

+

Übriges Verwaltungsvermögen

2.000.000

=Verwaltungsvermögen für den 20%-Test

2.000.000 €

Quote:

Verwaltungsvermögen für den 20 %-Test 2.000.000 €

Festgestellter Wert des Betriebsvermögens 6.000.000 €

= Verwaltungsvermögensquote

33,33 %

3. Finanzmitteltest

Nach Berechnung der Verwaltungsvermö- gensquoten zur Feststellung der Verscho- nungsmöglichkeiten wird im zweiten Schritt der steuerpflichtige Wert des Verwaltungs- vermögens berechnet.

Zuerst wird der sogenannte Finanzmittel- test durchgeführt: Die festgestellten Fi- nanzmittel werden um die jungen Finanz- mittel gekürzt und der Saldo um den Wert der festgestellten Schulden vermindert.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 4

Die Erbschaftsteuerreform – Rechnerische Auswirkungen und Fazit – Teil 2

Ergibt sich aus der Verrechnung ein positiver Saldo, so wird dieser in Höhe von 15 % des festgestellten Wertes des Betriebsvermögens gekürzt. Der danach mindestens in Höhe von 0 € verbleibende Wert der Finanzmittel zählt zur Bemessungsgrundlage für das steuer- pflichtige, nicht begünstigte Verwaltungsver- mögen. Auch die jungen Finanzmittel zählen zum nicht begünstigten Verwaltungsvermö- gen.

Beispiel

Festgestellter Wert der Finanzmittel 800.000 €

-festgestellter Wert der jungen Finanzmittel

-150.000

= Saldo

650.000 €

-Abzgl. festgestellter Wert der Schulden

 

-800.000

Saldo

-150.000

-Abzgl. Sockelbetrag (15% des festgestellten

Werts des Betriebsvermögens)

-900.000

= verbleibender Wert der Finanzmittel

 

(mindestens 0 €)

0

4. Nettowert des Verwaltungsvermögens

Der Nettowert des Verwaltungsvermögens be- rechnet sich als Summe des nach dem Fi- nanzmitteltest verbliebenen Wertes der Fi- nanzmittel und dem festgestellten Wert des Verwaltungsvermögens abzüglich des Wertes des jungen Verwaltungsvermögens und abzü- glich einer quotalen Berücksichtigung der noch nicht verrechneten Schulden.

Beispiel

Festgestellter Wert des Verwaltungsvermögens 2.000.000 €

-Abzgl. festgestellter Wert des jungen

 

Verwaltungsvermögens

- 200.000 €

+

Zzgl. verbleibender Wert der Finanzmittel

 

 

 

0 €

=

Saldo Verwaltungsvermögen

 

1.800.000 €

Festgestellter Wert der Schulden

 

 

800.000 €

-

Wert der im Finanzmitteltest verrechneten

 

 

Schulden

 

 

- 650.000 €

=

verbleibende Schulden

 

 

150.000 €

Davon anteilig verrechenbar:

 

 

 

Verbleibende Schulden

 

 

(150.000 €)

X

Saldo Verwaltungsvermögen

(1.800.000 €)

Festgestellter Wert des Betriebsvermögens

+ verbleibende Schulden

 

 

(150.000 €)

 

150.000 € x 1.800.000 €

 

 

 

 

 

 

=

43.902,43 €

 

 

 

 

6.000.000 € + 150.000 €

 

 

 

Saldo Verwaltungsvermögen

 

 

1.800.000 €

-

Abzgl. anteilig verbleibende Schulden

 

 

 

 

 

 

-43.902

Nettowert des Verwaltungsvermögens 1.756.098 €

5.Kürzung um das unschädliche Ver- waltungsvermögen

Der so ermittelte Nettowert des Verwal- tungsvermögens wird in Höhe von 10 % des Nettowertes des Betriebsvermögens gekürzt.

Beispiel

Festgestellter Wert des Betriebsvermögens 6.000.000 €

-Abzgl. Nettowert des Verwaltungsvermögens

-1.756.098 €

-Abzgl. festgestellter Wert des jungen

Verwaltungsvermögens

- 200.000 €

- Abzgl. festgestellter Wert der jungen

Finanzmittel

- 150.000 €

=Bemessungsgrundlage für das unschädliche Verwaltungsvermögen

3.893.902 €

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Ausgabe Januar 2018 Seite 5

Die Erbschaftsteuerreform – Rechnerische Auswirkungen und Fazit – Teil 2

Nettowert des Verwaltungsvermögens 1.756.098 €

-10 % der Bemessungsrundlage für das unschädliche Verwaltungs-

vermögen

 

- 389.390 €

= gekürzter Nettowert des

 

Verwaltungsvermögens

1.366.708 €

6.Steuerpflichtiger Wert des Verwal- tungsvermögens

Der gekürzte Nettowert des Verwaltungs- vermögens ergibt zusammen mit den fest- gestellten Werten des jungen Verwaltungs- vermögens und des jungen Finanzmittelbe- standes den steuerpflichtigen Wert des Ver- waltungsvermögens.

Beispiel

Gekürzter Nettowert des Verwaltungsver-

mögens

1.366.708 €

+

festgestellter Wert des jungen

 

Verwaltungsvermögens

200.000 €

+

festgestellter Wert der jungen

 

Finanzmittel

150.000 €

 

 

 

 

=

steuerpflichtiger Wert des

 

 

 

Verwaltungsvermögens

1.716.708 €

In unserem Beispiel beträgt das nicht be- günstigte Verwaltungsvermögen insgesamt also EUR 1.716.708. Begünstigt ist demnach der festgestellte Wert des Betriebsvermö- gens (EUR 6.000.000) nach Abzug des nicht begünstigten Verwaltungsvermögens (EUR 1.716.708), also insgesamt EUR 4.283.292. Da die 90 %-Quote erfüllt ist, kann die Re- gelverschonung in Höhe von 86 % gewährt werden. Die Optionsverschonung in Höhe von 100 % kann nicht angewendet werden, da die 20 %-Quote nicht greift.

Besonderheit: Investitionsklausel

In Erbfällen sieht das neue Erbschaftsteuer- recht eine für die Planung der Unterneh- mensnachfolge interessante Klausel vor, die es ermöglicht, Vermögen, das nach seiner schematischen Abgrenzung grundsätzlich dem Verwaltungsvermögen zugeordnet wer- den müsste, rückwirkend wieder aus dem Verwaltungsvermögen herauszurechnen.

Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:

Erwerb von Todes wegen

Investition von erworbenem nicht begüns- tigten Verwaltungsvermögen in Vermö- gen, das kein Verwaltungsvermögen ist

Vorgefasster Plan des Erblassers

Investition darf nicht zu neuem Verwal- tungsvermögen führen

Investition muss innerhalb von 2 Jahren nach dem Besteuerungszeitpunkt erfol- gen.

Die Anforderungen an den Plan des Erblas- sers werden im koordinierten Ländererlass in Abschnitt 13b.24 Abs. 3 wie folgt konkreti- siert:

„Der Plan des Erblassers muss so konkret sein, dass dieser und die entsprechend vom Erwerber umgesetzte Investition nachvollzo- gen werden kann. Der Plan muss die zu er- werbenden oder herzustellenden Gegenstän- de beinhalten. Das zum Besteuerungszeit- punkt vorhandene Verwaltungsvermögen ist für die Investition zu verwenden, ohne dass der Erblasser vorgegeben haben muss, wel- che Gegenstände des Verwaltungsvermögens zur Finanzierung zu verwenden sind. Un- schädlich ist eine zusätzliche Finanzierung der Investition aus dem Privatvermögen. …“

Das eingesetzte Privatvermögen wird hierbei jedoch nicht rückwirkend zu begünstigtem Vermögen umqualifiziert. Lediglich das ein- gesetzte Verwaltungsvermögen wird rückwir- kend begünstigtes Vermögen.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 6

Die Erbschaftsteuerreform – Rechnerische Auswirkungen und Fazit – Teil 2

Fazit

Der Ermittlung des Wertes des Verwaltungs- vermögens kommt nach dem neuen Erb- schaftsteuerrecht gerade für die langfristige Planung der Unternehmensnachfolge eine erhebliche Bedeutung zu. Denn je nach Zu- sammensetzung des Betriebsvermögens kann es zu sehr unterschiedlichen schen- kung- und erbschaftsteuerlichen Ergebnis- sen kommen. So sollten im Rahmen der Planung der Unternehmensnachfolge auch Gestaltungsmöglichkeiten zu den Verwal- tungsvermögensquoten, zum Bestand und zur Verwendung von jungem Verwaltungs- vermögen und jungen Finanzmitteln einbe- zogen werden. So könnten beispielsweise im Schenkungsfall vor der Übertragung Fi- nanzmittel aus dem Betriebsvermögen her- ausgelöst werden, um die Verwaltungsver- mögensquote unter die 90%-Quote zu sen- ken. Auch ein Forderungsverkauf mit an- schließender Entnahme der Barmittel aus dem Betriebsvermögen kann hierfür ein zu- sätzliches geeignetes Gestaltungsmittel sein.

Für die Planung des Erbfalls sollten außer- dem Überlegungen zur Verwendung von Verwaltungsvermögen für künftige Investiti- onen angestellt und dokumentiert werden, um die Investitionsklausel zur rückwirken- den Umwidmung von Verwaltungsvermögen zu Betriebsvermögen zu ermöglichen.

Kontakt für weitere Informationen:

Johannes Bitzer

Rechtsanwalt

Steuerberater

E-Mail: jbitzer@dr-langenmayr.de

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Ausgabe Januar 2018 Seite 7

HGB News

Modifikationsaufwendungen bei der Bi- lanzierung von Software

Der Hauptfachausschuss (HFA) des IDW hat am 18. Dezember 2017 eine Neufassung der IDW-Stellungnahme IDW RS HFA 11 über die Bilanzierung von Software verfasst. Da- bei handelt es sich um Modifikationsaufwen- dungen für Maßnahmen zur Erweiterung o- der zur über den ursprünglichen Zustand hinausgehenden wesentlichen Verbesserung von Software (wesentliche zusätzliche Funk- tionalitäten).

Nach dem bisherigen Standard waren solche Aufwendungen danach zu beurteilen, wer das Risiko einer erfolgreichen Modifikation trägt. Handelt es sich bei der Modifikation um einen Anschaffungsvorgang, weil ein Dritter das Herstellungsrisiko trägt, waren die Aufwendungen aktivierungspflichtig. Handelt es sich dagegen um einen Herstel- lungsvorgang, weil das Herstellungsrisiko beim Bilanzierenden liegt, handelte es sich um nachträgliche Herstellungskosten, für die das Aktivierungswahlrecht (§ 248 Abs. 2 Satz 1 HGB) galt.

Nach der jetzt veröffentlichten Neufassung ist es unbeachtlich, wer das Risiko einer er- folgreichen Modifikation trägt. In Überein- stimmung mit dem Deutschen Rechnungsle- gungs-Standard (DRS 24.31 ff.) bestimmt sich die bilanzielle Behandlung der Modifika- tionsaufwendungen nunmehr nach der Be- handlung der Aufwendungen für die Erlan- gung der ursprünglichen Software, d. h. da- nach, ob die ursprüngliche Software ange- schafft oder hergestellt wurde - bei der Her- stellung zusätzlich noch danach, ob die Auf- wendungen aktiviert wurden oder nicht. Dies bedeutet Folgendes:

Wurde die ursprüngliche Software ange- schafft, sind auch die Modifikationsauf- wendungen aktivierungspflichtig.

Wurde die ursprüngliche Software herge- stellt und wurden die Aufwendungen hierfür aktiviert, sind auch die Modifikati- onsaufwendungen aktivierungspflichtig.

Wurde die ursprüngliche Software her- gestellt und wurden die Aufwendungen dafür nicht aktiviert (also aufwandsmä- ßig behandelt), sind auch die Modifikati- onsaufwendungen sofort aufwandswirk- sam zu erfassen.

Im IDW RS HFA 11 n.F. ist nicht ausdrück- lich geregelt, ob bzw. in welchen Fällen es sich bei den Modifikationsaufwendungen um nachträgliche Anschaffungskosten oder um nachträgliche Herstellungskosten han- delt. Die Unterscheidung ist insofern be- deutsam, als dass die Anschaffungskosten nur Einzelkosten umfassen, während bei Herstellungskosten auch Gemeinkosten ak- tivierungspflichtig sind. Hierzu hat sich noch keine einheitliche Meinung gebildet.

Die Neufassung des IDW RS HFA 11 ist erstmalig für nach dem 31. Dezember 2017 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden.

Nachträgliche Aktivierung von Kosten aus Vorperioden im Rahmen der Her- stellungskosten

Der Hauptfachausschuss (HFA) des IDW hat am 18. Dezember 2017 eine Neufassung der IDW-Stellungnahme IDW RS HFA 31 über die Aktivierung von Herstellungskos- ten verfasst. Dabei handelt es sich aus- schließlich um eine Änderung von Tz. 8.

Bislang war unter bestimmten Vorausset- zungen die nachträgliche Aktivierung von bereits in Vorperioden aufwandswirksam er- fassten Aufwendungen für Vorbereitungs- handlungen im Zusammenhang mit Her- stellungskosten erlaubt. Nach der nunmehr aktualisierten Fassung ist dies nicht mehr zulässig, d. h., in Übereinstimmung mit

dem Deutschen Rechnungslegungs- Standard (DRS 24.86) müssen derartige Aufwendungen im Aufwand verbleiben.

Die Neufassung des IDW RS HFA 31 ist erstmalig für nach dem 31. Dezember 2017 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 8

HGB News

EU übernimmt diverse IFRS in euro- päisches Recht

Die Europäische Union (EU) hat, wie im Amtsblatt vom 9. November 2017 verkün- det, folgende Verlautbarungen des IASB in europäisches Recht übernommen:

IFRS 16 - Leasingverhältnisse

IFRS 15 - Klarstellung Erlöse aus Verträ- gen mit Kunden

Änderungen an IFRS 4 - Versicherungsverträge

Änderungen an IAS 12 - Ertragsteuern

Änderungen an IAS 7 - Kapitalflussrechnung - Angabeinitiative.

IFRS 16 behandelt die bilanzielle Abbildung von Leasingverhältnissen. Die Änderungen sind in der EU spätestens in den Geschäfts- jahren anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen.

Die Klarstellungen in IFRS 15 betreffen die Identifizierung von Leistungsverpflichtun- gen, die Guidance zu Prinzipal-Agent- Beziehungen und Lizenzen. Die Änderungen sind in der EU spätestens in den Geschäfts- jahren anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen.

Die Änderungen an IFRS 4 betreffen die Anpassungen der Erstanwendung von IFRS 9 für Versicherer. Durch unterschiedliche Zeitpunkte des Inkrafttretens von IFRS 9 und dem neuen Standard für Versiche- rungsverträge ergeben sich ohne diese An- passungen für einen Übergangszeitraum er- höhte Volatilitäten in Ergebnissen und ein doppelter Umstellungsaufwand. Die Ände- rungen sind in der EU spätestens in den Ge- schäftsjahren anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen.

Mit der Änderung an IAS 12 stellt das IASB klar, dass Abwertungen auf einen niedrige- ren Marktwert von Schuldinstrumenten, die zum beizulegenden Zeitwert (fair value) bewertet werden, welche aus einer Verän- derung des Marktzinsniveaus resultieren, zu abzugsfähigen temporären Differenzen füh- ren. Die Änderungen sind in der EU rück- wirkend in den Geschäftsjahren anzuwen- den, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen.

IAS 7 enthält überarbeitete Angaben, durch die die Informationen über die Ver- schuldungsentwicklung des Unternehmens verbessert werden sollen. Die Änderungen sind in der EU rückwirkend in den Ge- schäftsjahren anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 9

Steuer News

Verschärfung der Regelungen zur Kassenprüfung ab 2018

Mit den Neuregelungen zum Schutz vor Ma- nipulationen an digitalen Grundaufzeichnun- gen (§ 146 Abs. 1 s. 4 und § 146a, 146 AO i. d. Fassung vom 22. Dezember 2016) hat der Gesetzgeber auf die Steuerausfälle bei bargeldintensiven Betrieben reagiert und den Finanzbehörden weitreichende Kompe- tenzen, sogenannte Kassen-Nachschau als ein besonderes Verfahren, zur zeitnahen Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Kassen- aufzeichnungen gegeben.

Da die Kassen-Nachschau keine Außenprü- fung im Sinne des § 193 AO ist, gelten die Vorschriften für eine Außenprüfung nicht. Die Regelung des § 146 b AO sieht vor, dass Amtsträger im Rahmen einer unangekündig- ten Kassen-Nachschau während der übli- chen Geschäftszeiten des (gewerblich bzw. beruflich tätigen) Steuerpflichtigen Grund- stücke und Räume von Steuerpflichtigen be- treten dürfen, um vor Ort die Ordnungsmä- ßigkeit der Kassenaufzeichnungen sowie der Kassenbuchführung zu prüfen.

Wenn die bei der Kassen-Nachschau ge- troffenen Feststellungen hierzu Anlass ge- ben, kann ohne vorherige Prüfungsanord- nung zu einer Außenprüfung nach § 193 AO übergegangen werden. Die Kassen- Nachschau führt zudem zu einem Sperr- grund für eine Selbstanzeige. Der Gesetzge- ber gibt der Finanzverwaltung nun tatsäch- lich ein „scharfes Schwert“ gegen die Ver- kürzung von Bareinnahmen an die Hand, das den Druck auf bargeldintensive Bran- chen, insbesondere die Gastronomie, stark erhöhen wird.

Abzinsung von Angehörigendarlehen

Wird ein Darlehen zwischen Angehörigen unverzinslich für einen Zeitraum von über zwölf Monaten gewährt und ausgezahlt, führt dies zu einer steuerlichen Abzinsung nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG.

Dies hat zur Folge, dass der Darlehens- nehmer im Jahr der Darlehensgewährung den aus der Abzinsung folgenden Betrag als Ertrag zu versteuern hat, da seine Leis- tungsfähigkeit durch die Gewährung des zinslosen Darlehens erhöht wird. Der BFH hält die Abzinsungsregelung für verfas- sungsrechtlich unbedenklich und hat selbst die Lösung vorgegeben: Bereits durch die Vereinbarung eines geringen Zinssatzes wäre die Abzinsung nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG ausgehebelt und die gezahlten Zinsen wären als Betriebsausgaben steuerlich an- erkannt worden.

Der Ausfall von Gesellschafterdarlehen und sonstigen Finanzierungshilfen als

nachträgliche Anschaffungskosten i.S.d. § 17 EStG - Änderung der BFH- Rechtsprechung

Der BFH hat mit Urteil vom 11. Juli 2017 entschieden, dass mit der Aufhebung des

zivilrechtlichen Eigenkapitalersatzrechts (Wegfall §§ 32a, 33b GmbHG a.F. durch MoMiG) die rechtliche Grundlage für die Be- rücksichtigung des Ausfalls eigenkapitaler- setzender Finanzierungshilfen eines Gesell- schafters (z. B. Gesellschaftsdarlehen, In- anspruchnahme eines Gesellschafters als Bürge) als nachträgliche Anschaffungskos- ten der Beteiligung bei den Einkünften i.S.d. § 17 EStG weggefallen ist. Aus Grün- den des Vertrauensschutzes ist die alte Vorgehensweise (nachträgliche Anschaf- fungskosten) weiter bis zum Tag der Veröf- fentlichung des Urteils (27. September 2017) anzuwenden.

Der Ausfall von Finanzierungshilfen nach dem 27. September 2017 ist nach herr- schender Auffassung künftig in der Regel als Verlust bei den Einkünften aus Kapital- vermögen i.S.d. § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 7 EStG steuermindernd zu berücksichtigen. Nach- trägliche Anschaffungskosten können in Zukunft nur noch angenommen werden, wenn eine offene oder verdeckte Einlage i.S.d. Handels- und Steuerrechts gegeben ist.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 10

IT News

DATEV Regional-Info-Tage

Ab Februar 2018 werden die DATEV Regio- nal-Info-Tage unter dem Motto "Digital work" die bisherige Rolle der CeBIT nicht nur ergänzen, sondern übernehmen.

Schwerpunktthema ist überall die Digitali- sierung. Um bei den Mitgliedern den Digita- lisierungsgrad voranzutreiben, besteht das Programm aus aufeinander abgestimmten Vorträgen von Berufsträgern und DATEV- Mitarbeitern, kompakten Prozesspräsentati- onen und einem Info-Markt.

Agenda:

08:30 Uhr Eintreffen der Gäste und Info- Markt

09:00-10:15 Uhr Begrüßung und Vortrag "Geschäftsfeldübergrei- fend"

10:15-11:00 Uhr Pause und Info-Markt

11:00-12:00 Uhr Vortrag "Leistungserstel- lende Prozesse"

12:00-13:15 Uhr Mittagspause und Info- Markt

13:15-14:15 Uhr Vortrag "IT und Organi- sation"

14:15-14:45 Uhr Pause und Info-Markt

14:45-15:45 Uhr Vortrag "Künstliche In- telligenz"

15:45-16:45 Uhr Info-Markt und Ausklang der Veranstaltung

Bei Interesse können Sie sich unter dem folgenden Link anmelden:

https://www.datev.de/web/de/aktuelles/ veranstaltungen/regional-info-tage/

Für München gibt es 2 Veranstaltungen am 6.3. und 7.3.2018 mit selbigem Ablauf im

Leonardo Hotel

Moosacher Straße 90

80809 München.

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Ausgabe Januar 2018 Seite 11

Impressum

Der NEWSletter wird veröffentlicht von der

Kanzlei Dr. Langenmayr und Partner mbB Seidlstraße 30

80335 München

Telefon: 089 / 55 17 07 0

Telefax: 089 / 55 17 07 49

und der

UHY Deutschland AG

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80335 München

Redaktion:

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Dr. Langenmayr GmbH Wirtschaftsprüfungs- gesellschaft und UHY Deutschland AG sind Mitglied von Urbach Hacker Young Internati- onal Limited, einer Gesellschaft nach briti- schem Recht, und Teil des UHY-Netzwerks von rechtlich unabhängigen Wirtschaftsprü- fungs- und Beratungsgesellschaften. UHY ist der Markenname für das UHY International- Netzwerk.

Der Inhalt des NEWSletter ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand erarbeitet wor- den, ist jedoch nicht auf die spezielle Situa- tion einer natürlichen oder juristischen Per- son ausgerichtet. Die Komplexität und der ständige Wandel der Rechtsmaterie machen es notwendig, Haftung und Gewährleistung auszuschließen. Ohne geeigneten fachlichen Rat und ohne gründliche Analyse der jewei- ligen Situation sollten aufgrund der Infor- mationen dieses NEWSletter keine Ent- scheidungen getroffen werden.